Jolla und Nokia – Wie Phönix aus der Asche

jolla_026_dAus dem, was stirbt, kann Neues entstehen. Eine Philosophie, der sich wohl auch Mitarbeiter von Nokia gewidmet haben. Zwar existiert Nokia auch nach der Übernahme von Microsoft auch vorerst unter der bekannten Bezeichnung weiter, allerdings ist diese Absprache nur bis auf weitere drei Jahre gültig. Das finnische Unternehmen Jolla, ist sozusagen das Vermächtnis einiger Nokia Mitarbeiter. Jetzt ist es so weit, das erste Smartphone ist fertig, es kann bereits (zumindest für registrierte Vorbesteller) geordert werden.

Jolla mehr als nur ein unbedeutendes Wort

Das Erstmodell heißt ebenso wie das Unternehmen, Jolla. Bei diesem Namen handelt es sich nicht einmal um eine fiktive Bezeichnung. Jolla ist die finnische Namensgebung für ein kleines Boot, das zur Rettung, zum Rudern oder zum Segeln genutzt wird. Ein kleines Gefährt also, das nur wenigen Menschen platz bietet und doch für einen Neuanfang taugt. Jolla ist eine Firma, deren Gründer aus einem ehemaligen Nokia Team stammen. Dieses entwickelte auf dem Nokia N9 das System MeeGo, es war ein Versuch Nokia aus der Krise zu befreien. Letztlich wechselte Nokia aber zu Windows Phone und wurde nun von Microsoft übernommen. Alleine schon dieser Hintergrund macht aus Jolla ein sehr interessantes Projekt, das sich nun mit 90 Mitarbeitern einer neuen Herausforderung stellt.

jolla-bErfrischend anders wenn auch nicht auf Anhieb Smart

Die Website des Unternehmens ist typisch für ein Start-up. Das Design ist modern, funktional und relativ übersichtlich. Im Fokus steht die Idee, Leuten etwas Neues zu bieten und die Besucher davon zu überzeugen. Bereits der Claim “We are unlike“ wirkt auffällig und zeigt gemeinsam mit den ersten Produktimpressionen, worauf es Jolla abzielt. Es möchte dort wirken, wo Neues entsteht, bei Menschen, die tüfteln, kreieren und sich vielleicht auch als Querdenker auszeichnen. Eine clevere Strategie, wenn man bedenkt, wie schwierig es ist auf dem gesättigten Smartphonemarkt ein neues Produkt zu bringen. Viele Leute sind genervt von Apple, Samsung und Google, den Unternehmen die sich den Kuchen aufteilen und es daher kaum für nötig erachten neue Wege zu gehen, die Kundschaft wird einfach nur gefüttert. Bei Samsung wird das Galaxy Round als Innovation gefeiert, ein Smartphone, dessen Display eine Wölbung bezeichnet. LG hat sich dieser Entwicklung ebenfalls angenommen und bereits einige Wochen zuvor eine eigene Version “Curve“ vorgestellt. Während die bekannten Unternehmen aufgrund verrosteter Strukturen, starrer Strategien und vor allem sich der gesättigten Kundschaft unbeweglich zeigen, gibt es Hoffnung am Horizont. Auch wenn das Wort “Neuland“ in letzter Zeit in Verruf geraten ist, für Unternehmen wie auch Jolla eins ist, bedeutet dieses Neuland die Möglichkeit sich freizuschwimmen. In einem Rettungsboot, mit Platz für nur wenige Leute. Die Leute, die sich getraut haben, das auf Grund gelaufene Schiff Nokia zu verlassen und sich der ungewissen Zukunft zu stellen. Chapeau Jolla!

jolla-app-grid-fixedDesign und Spezifikationen:

Rein optisch wirkt  das Jolla Smartphone anfangs eher unauffällig, kantig und wenig verspielt. Nur die Rückseite, (bei Jolla heißt das “the other halfe colours“), die mit austauschbaren Covern farblich individualisiert werden kann, zeigt so etwas wie Verspieltheit. Das Smartphone wiegt 141 g misst 131mm in der Höhe, 68mm in der Breite und ist eine Tiefe von 9,9mm. Demnach ist es nach heutigem Ermessen doch etwas dick geraten, andererseits die Flachheit manch anderer Smartphones auch nicht unbedingt das Maß der Dinge sein muss. Das Display zeigt eine Diagonale von 4,5-Zoll, die Auflösung beträgt 960×540 Pixel.

Als Prozessor wird ein Qualcomm Dual Core mit 1,4 GHz eingesetzt, auch der Arbeitsspeicher ist mit 1 GB nicht unbedingt großzügig bemessen. Als Standardspeicherkapazität werden dem Jolla 16 GB spendiert, diese können mittels Micro SD erweitert werden. Als Funkstandard werden GSM/3G/4G LTE unterstützt, WLAN mit den Standards b/g/n auf 2,4 GHz. Zur drahtlosen Konnektivität bieten sich NFC und Bluetooth, USB dient zur Datenübertragung und zum Aufladen des 2100 mAh starken Akkus, der selbst ausgetauscht werden kann. Natürlich gibt es auch Kameras auf Front- und Rückseite (2MP, 8MP+LED Blitz).

sailfish-logoNeuer Versuch für Meego als Sailfish OS

Viel interessanter als die technischen Spezifikationen, die eher als mittelmäßig bezeichnet werden können (zumindest wenn man die Leistung auf die herkömmlichen Systeme von Android bezieht), ist die Software. Das OS, das bei Jolla zum Einsatz kommt, ist das erste Smartphone mit Sailfish OS. Ein Betriebssystem auf Basis von Linux und aus der Entwicklung von MeeGo. Es arbeitet mit unterschiedlichen CPU-Architekturen und ist daher auch auf verschiedenen Systemen installierbar. Durch Anpassung an die GPU Treiber, ist es auch für Android Geräte, beziehungsweise für bestimmte Android Apps einsetzbar. Sailfish OS ist ein auf Gesten und Multitouch basierendes Betriebssystem. Das folgende Video zeigt das sehr gut. Hierbei wird auch erkennbar, dass bereits auf dem Homescreen mehrere Funktionen gleichzeitig ausgeführt, bzw. aufgerufen werden können. Für Entwickler und Nutzer mit ausgeprägtem Sinn für Softwarearchitekturanpassungen bietet Sailfish tief greifende Funktionen, allerdings nicht bis zur untersten Ebene. Dennoch sollen auch andere Hersteller vom OS profitieren und können es ohne Lizenzgebühren nutzen.

Preis und Verfügbarkeit

Jolla ist seit dem 27.11.2013 auf der Website des Unternehmens teilweise verfügbar, beziehungsweise können sich Interessenten dort anmelden, um sich über die Verfügbarkeit informieren zu lassen. Der Preis steht bereits auch fest, es kostet 399,- Euro.

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