Bahnreisen und Mobilfunktechnik – Ist dieser Zug schon abgefahren

800px-ICE3-Einfahrt-DortmundUm der Werbung der Deutschen Bahn zu glauben, fehlen vielen Reisenden einfach die positiven Argumente. Zu oft gibt es Meldungen über verspätete Züge, schlechte klimatische Verbindungen und unfreundlichem Personal. Dennoch, irgendwie hat sich das Bild des relaxten Reisenden in uns manifestiert. Neben privaten Unternehmungen machen einen Großteil der Bahngäste, Menschen aus dem Businessbereich aus und diese wollen vor allem arbeiten, während sie von A nach B reisen. Zu den heutigen Arbeitsmaterialien gehören Geräte mit Mobilfunktechnik zur Grundausstattung, daher ist der Bedarf eines flächendeckenden Funknetzes von entscheidender Bedeutung. Wie sieht es hier bei der Bahn aus? Erleichtert der Transportservice tatsächlich das mobile Arbeiten oder ist hier weiterer Frust vorprogrammiert?

Die Kollegen der Mobilfunk-Kommunikationszeitschrift “connect” haben sich in ihrer aktuellen Ausgabe mit einem Feldversuch auf Reisen begeben. Im Test untersuchten Techniker von P3 Communications, wie es mit der Mobilfunk-Verfügbarkeit aussieht, dabei wurden unterschiedliche Zugverbindungen genutzt. Bevor es mit den Ergebnissen weitergeht, möchten wir auf den aktuellen Stand der Technik eingehen und die Hintergründe kurz erläutern.

Reise durch Funklöcher

Nutzer von Radios kennen das Problem, wenn sie in ihren Autos durch unterschiedliche Sendegebiete reisen. Es kommt vor, dass die Funkfrequenz der Sender schwächer und damit auch der Empfang schlechter wird. Die Qualität hängt also stark mit der Frequenzstärke zusammen, diese ist in Städten besser, auf dem Land schlechter. Je nach Mobilfunkanbieter ist das Problem auch bei den Handynetzen vorhanden, es kommt darauf an, wie viele und in welchen Abständen Funkmasten aufgestellt und Funkzellen vorhanden sind. Neue Technologoiststandards wie LTE und LTE+ verbessern die Verfügbarkeiten, die Datenübertragung gelingt schneller und besser. Grundsätzlich muss sich aber auch die Bahn diesen Gegebenheiten stellen und ist vom Technikausbau der jeweiligen Anbieter abhängig. Fährt der Zug durch dicht besiedeltes Gebiet, dürfte auch die Datenverfügbarkeit deutlich höher sein, als auf der Durchreise ländlicher Abschnitte.

Die Bahn kommt (DB Werbeslogan)! So nicht in der Zukunft an

Entsprechend fällt dann auch das Ergebnis der Tester aus, alles verbindet sich oder auch nicht in Abhängigkeit mit der Funkverbindung. Ein störungsfreies Arbeiten während der Bahnfahrt ist also ebenso wenig garantiert wie der stöhrungsfreie Genuss von Webradio oder mobilem Internet. Die Reisegesellschaft könnte es sich nun einfach machen und die Verantwortung auf die Netz-Konzerne abtreten, doch die Probleme liegen ebenso auf den Schienen, denn die genutzte Technik in Form von Repeatern ist teilweise arg veraltet und funkt in nur mäßiger Qualität. Im Artikel von connect ist auch deutlich nachvollziehbar, wie weit die Schere der Möglichkeiten und Gegebenheiten auseinandergeht. So steht in vielen Zugverbindungen Verstärkertechnik aus dem Jahr 2007 zur Verfügung, diese kann weder etwas mit neuen Funkzellenstandards noch mit LTE etwas anfangen.

Kosten – Nutzen – Rentabilität – Service – Kundenzufriedenheit?

Diese Problematik erfordert es, neue Ansätze zu finden. So wäre es zum Beispiel möglich, das Schienennetz und die vorhandenen Streckenmasten mit entsprechender Technik auszustatten, die Züge fahren oft an relevanten Posten vorbei, an denen eine dezentrale Positionierung von Funkzellen möglich wäre. Die Bahn könnte also ihr eigenes Hotspot-System anlegen und sich damit auch für die Zukunft aufstellen. Das Problem scheint bei der Rentabilität zu liegen, die Kosten scheinen hierfür deutlich zu hoch. Unter Berücksichtigung der Nutzungshäufigkeit besteht auch verständlicherweise die Ansicht, dass außer ein paar Hundert Reisenden, niemand solch ein Netz nutzen könnte, da es ja teilweise sehr fern jeglicher Ballungsräume aufgestellt werden müsste

Liegt die Alternative doch auf der Straße?

So wie es den Anschein macht, zeigt sich die Deutsche Bahn also wenig zukunftsorientiert, zumindest dürfte in Anbetracht dieser Umstände vielen Bahnkunden die Freude auf ein entspanntes Reisen mit mobiler Unterhaltungstechnik verwehrt bleiben. Selbiges gilt vor allem auch für Reisende aus dem Business-Bereich, die auf funktionierende und flächendeckende Mobilfunktechnik angewiesen sind. Wenig Druck verspürt die Bahn auch deshalb, da es kaum nennenswerte Alternativen gibt. Allerdings startet gerade eine Kooperation des ADAC mit der Post – der ADAC-Postbus. Hier werden City-Verbindungen inklusive Wlan angeboten und das, wen wundert es, zu einem wesentlich günstigeren Preis, als die Bahn.

Bildquelle: Wikimedia Commons

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