Mit dem Smartphone auf Reisen: Kostenfalle Roaming

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europe-155191_1280Auch im Urlaub ist das Smartphone für viele mittlerweile unverzichtbar. Das Foto vom Strand, gesendet per WhatsApp ersetzt die geschriebene Postkarte. Dass die mobile Suche nach Öffnungszeiten von Restaurants oder nach Zugverbindungen in die nächste Großstadt ausgesprochen praktisch ist, ist ebenfalls nicht von der Hand zu weisen. Oder eben mal noch schnell der Nachbarin sagen, dass sie die Blumen auf der heimischen Terrasse gießen soll – dank mobiler Telefonie ein Klacks. Nicht wenige haben sich aber schon über eine hohe Handy-Rechnung geärgert, nachdem sie aus dem Urlaub zurückgekommen sind.

Jetzt gibt es gute Nachrichten, wenn auch erst für den Urlaub im Jahre 2017: Die zusätzlichen Roaming-Gebühren innerhalb von Europa sollen zum 15. Juni 2017 komplett abgeschafft werden. Darauf haben sich Vertreter der EU-Staaten und des Europaparlaments nach einer Sitzung in Brüssel geeinigt. Die Kostenaufschläge für Internet-Surfen, SMS-Verschicken und Telefonieren im Ausland sollen innerhalb der nächsten zwei Jahre zunächst weiter gesenkt werden und letztendlich dann ganz entfallen.

Wie sieht die Lage aktuell aus?

Die Tarife für die mobile Internetnutzung innerhalb von Deutschland werden bekanntermaßen immer günstiger, wie auch die Tarifübersicht auf Sparhandy.de/mobiles-internet/ zeigt. Jeder der dort aufgeführten Anbieter ermöglicht zudem auch das Surfen und Telefonieren im EU-Ausland. Beim Überschreiten einer Ländergrenze wird das Smartphone automatisch im neuen Netz erkannt. Der Provider informiert den Nutzer sofort per SMS über die anfallenden Roaming-Gebühren für Anrufe, SMS, sowie Online-Datennutzung.

Die Roaming-Kosten innerhalb Europas sind bereits in den letzten Jahren kontinuierlich gesenkt worden, aber immer noch nicht unerheblich. Aktuell hat sich die EU bereits darauf geeinigt, einen „Kosten-Airbag“ von 50 Euro einzurichten. So wird verhindert, dass sich die Roaming-Kosten unbemerkt auf mehrere hundert Euro summieren können. Dem Nutzer dient diese Maximalgrenze als nützliche Kostenbremse. Beim Erreichen der 50-Euro-Grenze wird er per SMS informiert und muss einer weiteren Nutzung über das verbrauchte Volumen hinaus eigenständig zustimmen. Die Provider sind dazu verpflichtet, den Kunden vorab zu informieren, wenn er 80% des nutzbaren Datenvolumens erreicht hat. Bei 100%-Auslastung muss der Anbieter die Datenleitung kappen, es sei denn, der Nutzer möchte das Daten-Roaming innerhalb des aktuellen Monats ausdrücklich weiterhin nutzen.

Die Urlaubshauptsaison 2015 ist zwar schon vorbei, wer jedoch in diesem Jahr noch einen Kurztrip, beispielsweise einen Wochenendausflug nach Paris oder London, geplant hat, sollte die nachfolgenden Tipps beachten. Auch für Geschäftsreisende, die sich regelmäßig innerhalb der EU bewegen und Ländergrenzen überschreiten, sind diese Ratschläge sinnvoll.

Spartipps für unterwegs

  1. Mobile Daten ausschalten: Es sollte vermieden werden, permanent online zu sein. Mit nur einem Klick in den Einstellungen des Smartphones lässt sich die Datenfunktion „Mobile Daten“ leicht deaktivieren. Nur bei Bedarf sollte diese Funktion eingeschaltet werden, zum Beispiel zur Orientierung in einer fremden Stadt.
  2. Hotspots nutzen: Die meisten Hotels sowie Ferienwohnungen und -häuser bieten ihren Gästen die kostenlose Nutzung von hausinternen Hotspots an. Diese sind entweder frei verfügbar oder durch die Eingabe eines Codes zugänglich. Auch die Gastronomie richtet vermehrt W-LAN für ihre Gäste ein. Sogenannte WIFI-Finder können als kostenlose App heruntergeladen werden.
  3. Datenverbrauch reduzieren: Viele Apps wie Wetterdienste oder Statusmeldungen in den Social-Media-Kanälen laufen unbemerkt im Hintergrund und verbrauchen Datenvolumen. Vor Reiseantritt sollten diese automatischen Dienste deaktiviert werden und erst in Deutschland wieder genutzt werden.
  4. Telefonie über IP: Wer Skype oder WhatsApp auf seinem Tablett oder Smartphone installiert hat, kann auch hierüber telefonieren und Daten versenden. Voraussetzung ist, dass der Empfänger diese Programme ebenfalls installiert hat.
  5. Mailbox deaktivieren: Das Abhören der Nachrichten kann teuer werden.
  6. Zusätzliches Datenpaket hinzubuchen: Wer im EU-Ausland als Geschäftsreisender oder als Tourist mehr telefonieren und große Datenmengen verschicken möchte, kann bei seinem Mobilfunkanbieter ein Paket hinzubuchen. Dieses kann tage-, wochen- oder auch monatsweise in Auftrag gegeben werden und sollte an den persönlichen Bedarf anpassbar sein. Das Reisepaket Plus kostet bei Vodafone zum Beispiel aktuell 3 Euro, mit dem regulierten EU-Tarif könnten für die gleiche Leistung Kosten in Höhe von bis zu 27 Euro anfallen.

Alle Tipps sind in folgendem Video noch einmal anschaulich und ausführlich erklärt:

Wie teuer ist das Telefonieren im EU-Ausland tatsächlich?

Die Mobilfunknutzung in einem fremden Netz kostet extra, ausgenommen ist nur das Empfangen von SMS. Für Anrufe und den Versand von SMS zahlt der Nutzer im Ausland grundsätzlich einen anderen Tarif als zuhause. Wird er im Ausland angerufen, zahlt der Anrufer den in Deutschland üblichen Preis für Anrufe. Die Extrakosten für das Nutzen des fremden Netzes zahlt der Angerufene.

Seit Juli 2014 sind die Roaming-Gebühren innerhalb der EU folgendermaßen reguliert:

  • 0,19 Euro/Min. für eingehende Anrufe
  • 0,05 Euro/Min. für angenommene Anrufe
  • 0,20 Euro/MB Datenvolumen
  • 0,06 Euro für jede SMS

Diese Roaming-Verordnung gilt verbindlich in allen 28 Mitgliedsstaaten der EU. Eine Gesamtübersicht zum aktuellen Stand und den Gebühren bietet die Webseite des Europäischen Verbraucherzentrums an. Wer sein Smartphone außerhalb der EU nutzen möchte, sollte vor Reisebeginn die möglicherweise anfallenden Kosten im jeweiligen Land prüfen.

Zwischenschritt in 2016

Bereits zum 30. April 2016 sollen die Roaming-Kosten laut der Digitalen Agenda weiter sinken. Dann dürfen Telefonate im EU-Ausland nur noch 5 Cent pro Minute kosten (derzeit 19 Cent für abgehende, 5 Cent für eingehende Anrufe), die Obergrenze für SMS soll 2 Cent (derzeit 6 Cent) und beim Surfen darf pro MB an Daten maximal 5 Cent berechnet werden (derzeit 20 Cent). Hinzu kommt noch die Mehrwertsteuer. Damit liegt der maximale Gesamtpreis nach Angaben der EU-Kommission immer noch deutlich unter den derzeit geltenden Obergrenzen von maximal 19 Cent für abgehende Anrufe, 6 Cent pro SMS und 20 Cent pro Megabyte Daten plus Mehrwertsteuer.

Ab dem 15. Juni 2017 keine Roaming-Aufschläge mehr

EU-Kommissar Günther Oettinger hat die vereinbarte Abschaffung der Roaming-Gebühren als großen Durchbruch hin zu einem vernetzen Kontinent bezeichnet. Es garantiere ein offenes Internet für alle, schrieb der Kommissar für Digitale Wirtschaft und Gesellschaft auf Twitter. „Eine politische Vereinbarung ist erreicht worden.“

Neben dem Wegfall der Roaming-Gebühren soll es eine weitere Neuerung geben, die den Endverbrauchern zugutekommt: Wer Freikontingente an Telefonminuten, SMS oder Datenvolumen hat, kann diese ab Juni 2017 auch im EU-Ausland nutzen und verbrauchen.

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